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Beziehungsmythen auf dem Prüfstand (2)

Clemens Gärner im GewinnDie Ehe ist ein Vertrag, dessen Rechte und Pflichten gesetzlich geregelt sind und der grundsätzlich erst mit dem Tod einer der Vertragsparteien endet.

Aber ganz genauso wie bei anderen Verträgen können Verstöße gegen den Vertragsinhalt zu Konsequenzen führen, also zur Scheidung.

Nun sollte man meinen, dass bei so einem wichtigen Vertrag die Vertragspartner die gegenseiteigen Rechte und Pflichten genau kennen. Tun sie aber nicht, wie die Beratungspraxis von Scheidungsanwälten zeigt. Im Folgenden der zweite Teil populärer Mythen, und der juristische Gegencheck:

6. Als Mutter von zwei kleinen Kindern muss ich nie mehr arbeiten.
Falsch! Jeder Unterhaltspflichtige kann unter bestimmten Voraussetzungen auf ein fiktives Einkommen angespannt werden. Eine „Anspannung“ auf ein zusätzliches Einkommen kommt etwa in Betracht, wenn neben der Betreuung der Kinder eine (Teilzeit)Beschäftigung möglich und zumutbar erscheint.
Die Rechtsprechung nimmt – Ausnahmen abgesehen – grundsätzlich an, dass lediglich eine Teilzeitbeschäftigung angenommen werden muss, solange schulpflichtige unmündig minderjährige Kinder im Haushalt der Mutter betreut werden (Regelfall). Das Kindeswohl geht einer Verdienstmöglichkeit jedenfalls vor, so dass in besonderen Fällen es bereits judiziert wurde, dass die Mutter überhaupt nicht arbeiten muss, solange es die Betreuung der Kinder erfordert.
Das Gleiche gilt natürlich für Väter, die für ihre Kinder zu Hause bleiben.

7. Ich heirate nur zum Spaß im Ausland, das gilt hier sowieso nicht.
Falsch! Eine im Ausland geschlossene Ehe ist immer dann gültig, wenn sie nach der in diesem Land ortsüblichen Form geschlossen wurde.
Eine Eheschließung beispielsweise in einer wedding chapel in Las Vegas hat in Österreich volle Gültigkeit, selbst wenn der dortige Standesbeamte als Elvis verkleidet ist.
Die ausländische Heiratsurkunde sollte aber nach der Heirat beim örtlich zuständigen Standesamt in Österreich vorgelegt werden, davor sollte sie durch einen gerichtlich beeideten Dolmetsch in die deutsche Sprache übersetzt werden; mitunter ist für die Gültigkeit der Heiratsurkunde eine Überbeglaubigung notwendig. Einfacher ist es also, gleich in Österreich zu heiraten.

8. Ich kann einfach die Schlösser zur Ehewohnung auswechseln, wenn mein Partner mich betrogen hat.
Falsch! Das Gesetz normiert die Pflicht zum gemeinsamen Wohnen, d.h. die Ehepartner müssen sich wechselseitig stets den ungehinderten Zutritt zur Ehewohnung gewähren. Das Austauschen der Schlösser stellt eine schwere Eheverfehlung dar und führt in aller Regel zu einer Besitzstörungsklage.

9. Ich kann mit meiner Geliebten ein paar ungestörte Stunden in unserem Wochenendhaus verbringen.
Falsch! Die Geliebte ins Wochenendhaus der Ehepartner mitzunehmen würde ein Abgehen der zwischen den Ehepartnern (stillschweigend) getroffenen Benützungsregelung darstellen. Eine eigenmächtige Änderung der bisherigen Gebrauchsordnung ist nicht zulässig und stellt eine Besitzstörung dar. Ganz abgesehen von der ehelichen Untreue, die zur Scheidung berechtigt.

10. Wir müssen mindestens sechs Monate getrennt sein, um uns scheiden zu lassen.
Richtig! Voraussetzung für eine einvernehmliche Scheidung ist eine sechsmonatige Trennung. Diesen Umstand müssen beide vor Gericht behaupten. Allerdings bedeutet „Trennung“ nicht unbedingt auch Auszug aus der Ehewohnung. Erforderlich ist eine sogenannte „Trennung von Tisch und Bett“, also faktisch ein Nebeneinanderleben unter einem Dach.

Hier können Sie den ersten Teil nachlesen: LINK

Die Anwälte Dr. Clemens Gärner und Mag. Susanna Perl-Böck sind die Spezialisten, wenn es zu Rechtsfragen im Bereich Trennung und Scheidung, Obsorge und Kindeswohl, Partnerschafts- und Eheverträge, Unterhalt und Vermögensaufteilung sowie Trennungs- und Scheidungsvorsorge kommt. Die bewährte Mann-Frau-Perspektive, die die Kanzlei Gärner und Perl-Böck auszeichnet, macht es zudem möglich fachliches Know-How mit notwendigem Fingerspitzengefühl zu kombinieren und so maßgeschneidert auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten eingehen zu können. Durch ihre Zusatzkompetenzen im Immobilien-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht sind Gärner und Perl-Böck bei Scheidungen im wirtschaftlichen Bereich ebenfalls die erste Adresse.