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Kurier: „Ohne Mitleid“

Die Scheidungsexperten Dr. Clemens Gärner und Mag. Susanna Perl-Böck im Kurier – Interview

Gewagt gefragt: ehrliche Antworten zum Beruf des Scheidungsanwalts. Von Sandra Baierl

Susanna Perl-Böck und Clemens Gärner sind Anwälte, spezialisiert auf Ehe- und Scheidungsrecht. Rund 100 Scheidungen wickeln die beiden jedes Jahr ab, seit über zehn Jahren. Ob böse oder freundlich, das entscheidet am Ende der Klient. „Oft ist der Beginn recht bösartig, das Ende aber meist freundlich“, sagt Clemens Gärner. „Die Leute wollen sich von einem Ballast lösen – dabei helfe wir“, so der Anwalt.

KURIER: Haben Sie manchmal Mitleid mit Ihren Mandanten:
Susanna Perl-Böck: Ja, mit Frauen, die jahrzehntelang zu Hause waren und der Mann vertschüsst sich dann. Das kommt bei der älteren Generation öfter vor.
Clemens Gärner: Ich habe kein Mitleid, weil es ja nicht meine Beziehung ist, meine Ehe. Meistens ist es so: Wie die Leute die Ehe führen, so streiten sie dann auch.

Können Sie Ihre Arbeit immer mit Ihrer eigenen Moral vereinbaren?
Gärner: Ja, denn es steht mir natürlich frei, Fälle abzulehnen. Zum Glück muss ich davon nicht oft Gebrauch machen. Wenn, dann lehne ich Fälle ab, wenn die Chemie zwischen dem Klienten und mir nicht passt.

Wie intim wird so eine Anwalt-Klienten-Beziehung?
Gärner: Man erfährt Dinge, … das kann man oft gar nicht glauben. Man braucht wohl eine gewisse morbide Neugierde, um diesen Job auszuführen.

Wie gehen Sie damit um, die andere Seite eventuell sehr unglücklich zu machen?
Gärner: Man muss es so sehen: Wir machen unseren eigenen Klienten andererseits sehr glücklich.
Perl: Außerdem findet sich in vielen Fällen eine Einigung, mit der alle gut leben können.

Hat Ihnen ein Klient der Gegenseite schon mal Angst eingejagt?
Gärner: Nein. Man muss sich darüber im Klaren sein: Wir sind in hochemotionalen Auseinandersetzungen natürlich immer der Feind der Gegenseite, Damit ist man automatisch der Böse – das gehört dazu.

Sind Sie ein guter Verlierer?
Gärner: Bei einer Scheidung geht es nicht ums Gewinnen oder ums Verlieren. Es geht letztendlich um sinnvolle Lösungen.

Was tun Sie, wenn Sie erkennen, dass Ihr Mandant lügt?
Gärner: Das ist ein großer Fehler, weil wir dann nicht ordentlich reagieren können. Ein Mandant ist schlecht beraten, wenn er uns anlügt.
Perl: es gibt auch keinen Grund dafür, weil wir vollkommen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.

Wofür sind Sie in der Branche bekannt? Haben Sie einen Trick?
Gärner: Ich bin hart und professionell in der Sache und bringe keine eigenen Emotionen rein. Mit der Erfahrung lernt man die Feinheiten der Materie.
Perl: Meine Stärken sind Kompetenz und Sachlichkeit.

Ist das Scheidungsbusiness eine schmutzige Angelegenheit?
Gärner: im Privatleben von anderen Menschen herumzustochern ist nicht immer sauber. Aber es gibt sicher schmutzigere Betätigungsfehler für einen Rechtsanwalt.

Geht´s bei Scheidungen eigentlich immer ums Geld?
Beide: Am Ende: Ja.

Würden Sie immer noch empfehlen, zu heiraten?
Beide: Auf jeden Fall. Die Ehe ist eine Institution und vermittelt Stabilität und Zusammengehörigkeit.

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