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WOMAN: real life HEIMGEZAHLT

Haben Sie noch nie, zumindest heimlich, darüber nachgedacht, sich an jemandem für etwas zu rächen? z.B.:

….DIE LIEBLINGSKLAMOTTEN IHRES PARTNERS VERKAUFEN.
FINGER WEG! Er hängt in letzter Zeit viel zu oft mit seinen Kumpels ab. Um ihm einen Denkzettel zu verpassen, verchecken Sie ein paar seiner liebsten Kleidungsstücke online. Das kann nach hinten losgehen, warnt Perl-Böck. Sie haben dann vielleicht seine Aufmerksamkeit, machen sich im schlimmstenFall aber gleichzeitig wegen Diebstahl strafbar.

Im WOMAN beantwortet Rechtsanwältin Susanna Perl-Böck gemeinsam mit der Klinischen Psychologin Magdalena Lederer die wichtigsten Fragen dazu! – Mehr lesen?

Wir haben die Fragen natürlich weit umfangreicher beantwortet. Natürlich ist die Redaktion von der Anzahl der Zeichen eingeschränkt, wir wollen Ihnen aber unseren kompletten Kommentar natürlich nicht vorenthalten. Anbei uns gestellten Interviewfragen finden Sie in Folge von uns ausführlich beantwortet:

1. Eine Bekannte von mir lästert hinter meinem Rücken über mich. Ich möchte mich revanchieren und erzähle herum, dass ihr Partner sie betrügt ohne das es stimmt …

Rechtlicher Aspekt:

Wenn jemand herumerzählt, dass man von seinem Partner betrogen wird kann das ganz schön verletzend sein. Rechtlich relevant wird es dann, wenn dies für eine außenstehende Person wahrnehmbar ist und der Partner eines Verhaltens beschuldigt wird, das unehrenhaft oder sittenwidrig ist und zudem dazu geeignet ist, ihn in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen oder herabzusetzen (üble Nachrede). Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die soziale Wertschätzung leidet. Der Oberste Gerichtshof hat hierzu in der Vergangenheit entschieden, dass neben dem Besuch eines Bordells jedenfalls auch der Ehebruch ein solches unehrenhaftes Verhalten darstellt. Sprich der Partner Ihrer Bekannten – als Träger des Rechtsgutes – kann also die erlittene Ehrenverletzung strafrechtlich als Privatanklagedelikt geltend machen.

2. Eine Kollegin, die mich ständig schikaniert, ist krank gemeldet. Ich sehe sie am Abend beim Ausgehen. Am nächsten Tag schwärze ich sie bei unserem Chef an …

Rechtlicher Aspekt:

Einfach ohne Grund von der Arbeit fern zu bleiben kann einen Entlassungsgrund darstellen. War es also so, dass die Kollegin tatsächlich einfach „blau“ gemacht hat und nicht wie angegeben krank war, kann dies zur Entlassung, also zur sofortigen Beendigung ihres Dienstverhältnisses führen. Für Ihren Chef wäre es jedoch ratsam vorher abzuklären, ob eine Krankmeldung der Kollegin durch einen Arzt vorliegt und falls ja, ob dieser Bettruhe verordnet hat. Dies ist wichtig, da nicht bei jeder Krankheit unbedingt Bettruhe verordnet wird. So kann zum Beispiel der Besuch eines Konzertes bei der Behandlung einer Depression durchaus förderlich sein.

3. Mein Partner hat mich betrogen. Der Plan: Ihm Taubenfutter auf sein neues Auto streuen

Rechtlicher Aspekt:

Das Auto des Ex mit Taubenfutter zu bestreuen, ist – auch, wenn es noch so verlockend scheint – keine gute Idee. Wird der Autolack nämlich durch die darauf pickenden Tauben beschädigt, müssen Sie nicht nur mit einer zivilrechtlichen Schadensersatzklage rechnen, sondern das Verhalten ist noch dazu strafrechtlich relevant. Auf das Delikt der Sachbeschädigung stehen immerhin bis zu sechs Monate oder eine Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen. Innerhalb einer Ehe wird man allerdings nur auf Verlangen des geschädigten Ehepartners verfolgt, was aber auch mit einer Freistrafe bis zu drei Monate geahndet werden kann. Alles in allem also ein sehr teurer Racheakt.

4. Die Nachbarin läutet täglich an, um sich wegen irgendetwas zu beschweren. Ich fälsche ein Kündigungsschreiben von unserem Vermieter, das ich ihr in den Postkasten werfe …

Rechtlicher Aspekt:

Streit mit den Nachbarn kann sehr unangenehm und belastend sein. Auch, wenn die Möglichkeit, den verhassten Nachbarn endlich durch dessen ersehnten Auszug loszuwerden noch so verlockend scheint, ist es nicht empfehlenswert ein Kündigungsschreiben des Vermieters zu fälschen. Zum einem würde ein solches Verhalten dann den strafrechtlich relevanten Tatbestand der Täuschung erfüllen und diese ist mit einer Freistrafe bis zu einem Jahr bedroht. Zum anderen haftet man dem Nachbarn und dem Vermieter für den entstandenen Schaden. Also fällt auch dieser Racheakt schlussendlich wieder auf einen selbst zurück.

5. Mein Freund versetzt mich in letzter Zeit ständig, um mit seinen Kumpels abzuhängen. Um ihn einen Denkzettel zu verpassen, zerschneide ich seine Lieblingskleidungsstücke. Ein paar andere verkaufe ich online!

Rechtlicher Aspekt:

Die Aufmerksamkeit Ihres Freundes dadurch auf Sie zu lenken, indem Sie seine Lieblingskleiderstücke zerschneiden, kann ordentlich nach hinten losgehen. Wer fremde Sachen zerstört macht sich wegen Sachbeschädigung strafbar. Auch hier gilt: innerhalb einer Ehe geht dies nur auf Verlangen des geschädigten Ehepartners. Die Sachen ungefragt online zu verkaufen ist auch nicht besser, denn wer einem anderen etwas wegnimmt, um sich dadurch zu bereichern macht sich wegen Diebstahl strafbar.

6. Mein Schwager kann nichts für sich behalten. Langsam reicht’s! Jetzt hat er seinen Job verloren, will aber nicht, dass sein Umfeld darüber Bescheid weiß. Dieses Mal halte ich nicht dicht und erzähle es weiter …

Rechtlicher Aspekt:

Strafrechtlich ist es nicht relevant, wenn Sie weiter erzählen, dass Ihr Schwager gekündigt wurde. Angenehm ist es jedoch sicher nicht und auch dem Familienklima nicht sonderlich zuträglich – das nächste Weihnachten kommt bestimmt. Rechtlich relevant wäre es hingegen, wenn das Getratsche nicht der Wahrheit entspräche oder einer Beleidigung, sprich öffentliches Beschimpfen, Verspotten und üble Nachrede ist.

7. Ich bin noch immer nicht darüber hinweg, dass mein Ex nur zwei Wochen nach unserer Trennung schon wieder eine neue Freundin hatte. Damit er Ärger mit ihr bekommt, schicke ich ihm eine Postkarte mit Liebesbekundungen und unterschreibe mit fremden Namen …

Rechtlicher Aspekt:

Wenngleich dieses oftmals verlockende Verhalten grundsätzlich nicht strafbar ist, vorausgesetzt es entstehen keine rechtlich relevanten Folgen, wäre es doch besser nur tatsächlich ernstgemeinte Liebesbekundungen zu verfassen und diese dann auch mit dem eigenen Namen zu unterschreiben. Am sinnvollsten wäre es hier wohl zu versuchen, die Trennung zu akzeptieren und nach vorne zu sehen.

8. Ständig blamiert mich mein Vorgesetzter vor meinen Kollegen. Nicht mit mir! Um ein bisschen Genugtuung zu spüren, lasse ich immer wieder Kleinigkeiten aus dem Büro mitgehen …

Rechtlicher Aspekt:

Wer jemand anderem Sachen wegnimmt, die ihm nicht gehören und diese behalten oder auch weitergeben will, begeht in jedem Fall einen Diebstahl. Auch, wenn es sich nur um Kleinigkeiten handelt. Besser wäre es, die Schwierigkeiten mit dem Vorgesetzten direkt anzusprechen und so aus dem Weg zu räumen.

9. In der Yoga-Stunde steigt mein Mattennachbar wiederholt auf meine Yogamatte. Als Revanche bekommt er beim nächsten Sonnengruß meine Hand „zufällig“ ins Gesicht. Fest!

Rechtlicher Aspekt:

Obwohl ein derartiges Verhalten einer guten „Mattennachbarschaft“ sicher nicht dienlich ist, ist ein leichter und unauffälliger Klaps mit der flachen Hand strafrechtlich nicht relevant – allerdings nur, solange man seinen Nachbarn dabei nicht verletzt. Zielführender wäre es auch hier, den Nachbarn direkt auf sein Verhalten aufmerksam zu machen. Vielleicht hat er sich zu sehr auf seine Atemübungen konzentriert und es war ihm nicht bewusst, dass er zu großzügige Bewegungen machte.

10. Der Nachbar stellt sein Fahrrad im Keller immer genau so ab, dass man nicht vorbeigehen kann. Ich montiere den Sattel ab und verstecke ihn so, dass er ihn fix nicht mehr findet …

Rechtlicher Aspekt:

Das ist keine gute Idee, da man sich hierbei gleich mehrfach strafbar macht: zum einen wird das Fahrrad durch Entfernung des Sattels unbrauchbar und somit liegt eine Sachbeschädigung vor. Zum anderen wird der Sattel aus dem Gewahrsam des Nachbarn dauernd entzogen, sodass darüber hinaus der Tatbestand der dauernden Sachentziehung erfüllt ist. Auch hier macht es Sinn im persönlichen Gespräch die Sache zu klären und auf das Verständnis des Nachbars zu vertrauen, denn auch diese Rache kann einen teuer zu stehen kommen.

11. Eine Freundin borgt sich immer wieder Geld von mir aus und vergisst aber ständig darauf, es mir auch wieder zurückzugeben. Bei der nächsten Online-Bestellung schicke ich die Rechnung zu ihr!

Rechtlicher Aspekt::

Nachdem die Freundin offensichtlich nicht sehr verlässlich oder knapp bei Kasse ist, wäre es nicht ratsam dies zu tun. Da Sie selbst Vertragspartner des Online-Händlers sind, sind Sie auch dafür verantwortlich, den in Rechnung gestellten Betrag rechtzeitig zu bezahlen. Tun Sie das nicht, können Sie auf Zahlung geklagt werden und müssen überdies mit Verzugszinsen rechnen. Auch für die Freundin kann es brenzlig werden. Denn so könnte das Verhalten der Freundin das Verhalten des Betrugs erfüllen, wenn sie tatsächlich nicht vorhatte das Geld zurückzuzahlen bzw. schon klar ist, dass sie es nicht zurückzahlen kann. „In allen Fällen kommt es auf den individuellen Einzelfall an, der konkret von einem Rechtsanwalt geprüft werden sollte. Nicht selten kann ein Racheakt sehr wohl zu einer Straftat werden oder zumindest zu Schadensersatzansprüchen führen“, weiß Mag. Susanna Perl-Böck.

 

Die Anwälte Dr. Clemens Gärner und Mag. Susanna Perl-Böck sind die Spezialisten, wenn es zu Rechtsfragen im Bereich Trennung und Scheidung, Obsorge und Kindeswohl, Partnerschafts- und Eheverträge, Unterhalt und Vermögensaufteilung sowie Trennungs- und Scheidungsvorsorge kommt. Die bewährte Mann-Frau-Perspektive, die die Kanzlei Gärner und Perl-Böck auszeichnet, macht es zudem möglich fachliches Know-How mit notwendigem Fingerspitzengefühl zu kombinieren und so maßgeschneidert auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten eingehen zu können. Durch ihre Zusatzkompetenzen im Immobilien-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht sind Gärner und Perl-Böck bei Scheidungen im wirtschaftlichen Bereich ebenfalls die erste Adresse.