Allgemein, Ehevertrag

Betrachten von Aktfotos als Eheverfehlung?

Das fortgesetzte Betrachten von Aktfotos nackter Frauen ungeachtet der Gegenwart der Ehefrau (Klägerin) ist eine schwere Eheverfehlung.

Das hat das Landesgericht für Zivilrechtsachen Wien als Berufungsgericht entschieden. In Anbetracht der von der Ehefrau in diesem Fall verbalisierten Ablehnung stellt dies nach Ansicht des Landesgerichts ein rücksichtloses Verhalten dar.

Ob das Betrachten derartiger Bilder in der “Mechaniker-Zunft” üblich ist, spielt dabei keine Rolle. Maßgeblich ist vielmehr, dass der Beklagte die ablehnende Haltung der Klägerin ignorierte, sie als übertriebene Reaktion darstellte und fortfuhr, die Aktfotos zu betrachten.

Wie lässt sich dieses Urteil erklären?
Diese doch recht “harte” Entscheidung ist das Ergebnis von aus der Ehe entspringenden Rechten und Pflichten, insbesondere der “Pflicht zur anständigen Begegnung”. Darunter versteht der Gesetzgeber, dass sich die Ehepartner einander Respekt entgegenzubringen und insbesondere auch einen Anspruch darauf haben, vom Partner vor allen anderen Personen vorgezogen zu werden. Eine Art “Generalklausel” im Ehegesetz sieht vor, dass ein Ehepartner die Scheidung verlangen kann, wenn der andere durch eine sonstige schwere Eheverfehlung oder durch ehrloses oder unsittliches Verhalten die Ehe schuldhaft so tief zerrüttet hat, dass eine Wiederherstellung einer dem Wesen entsprechenden Lebensgemeinschaft nicht erwartet werden kann.

Vertragsbruch in der Ehe
Die Ehe – im Grunde genommen und völlig unromantisch betrachtet nichts anderes als ein Vertrag – verpflichtet beide Ehepartner zum rücksichtsvollen Umgang miteinander. Dazu gehört es auch, Handlungen zu unterlassen, die den anderen “stören” – Grenze ist dabei die Schikane. In der zitierten Entscheidung geht es also nicht primär darum, dass der Ehemann sich Aktfotos angeschaut hat, sondern, dass er dies wiederholt und offenbar über ein “normales” Ausmaß hinaus gegen den ausdrücklich erklärten Willen der Ehefrau, für die dies offenkundig eine “schwere Belastung” war, getan hat.

Sicherlich eine Einzelfallentscheidung, die es nicht jedem verheirateten Mann verbietet Aktfotos anzuschauen. Aber: Handlungen gegen den ausdrücklichen Willen des Partners, die bei diesem letztlich den Ehewillen an sich gefährden, sollten wohl überlegt sein, können sie in letzter Konsequenz doch zur schuldigen Ehescheidung führen.

Veröffentlicht von GÄRNER I PERL

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