Allgemein, Scheidung

„Es reicht“ – Wenn auf den Urlaub die Scheidung folgt

Susanna Perl-Böck
Susanna Perl-Böck

Gerade nach dem Sommerurlaub reift in vielen Ehepartnern innerlich die Entscheidung: „Ich mache Schluss.“ Aber wer zu überstürzt handelt, läuft Gefahr, den eigenen Lebensunterhalt aufs Spiel zu setzen. Familienrechtsexpertin Susanna Perl von der Kanzlei Gärner-Perl Rechtsanwälte gibt Tipps aus der Praxis.

Der Sommer ist die Hochsaison für Scheidungsanwälte. „Etwa 30 Prozent unserer Fälle und Klienten-Anfragen bekommen wir zum Sommerausklang“, schildert Scheidungsexpertin Susanna Perl. Gemeinsam mit Clemens Gärner führt sie die Familienrechtskanzlei Gärner Perl Rechtsanwälte in Wien, die jährlich etwa 100 Scheidungen abwickelt. Weshalb die Sommerzeit Scheidungszeit ist, ist leicht erklärt. „Im Urlaub haben Ehepartner besonders hohe Erwartungen an einander. Man will tolle Sachen gemeinsam erleben, das Intimleben aufpeppen, sich gegenseitig neu entdecken.“ Stattdessen klebt man aneinander, die Erwartungen erfüllen sich nicht und es wird einem bewusst, dass die Beziehung einfach nicht mehr passt.

Hat sich ein Partner innerlich für eine Trennung entschieden, ist der emotionale Druck oft so hoch, dass er oder sie am liebsten gleich einen Schlussstrich ziehen möchte – und das möglichst laut. Perl rät aber davon ab. „Eine Scheidung bedeutet nicht nur das Ende der Beziehung, sondern auch und vor allem eine Neuordnung der eigenen wirtschaftlichen Lebensverhältnisse. Wer wieviel vom Vermögen bekommt, mag einem in der Hitze des Moments, wenn man es dem anderen nur ‚reinsagen‘ möchte, nicht so wichtig sein. Aber durch solche Schnellschüsse kann man massiv seine restliche Lebensqualität gefährden.“

Tipps der Scheidungsexpertin:

1) Bevor Sie etwas unternehmen, suchen Sie Rechtsbeistand auf. Das ist besonders wichtig, damit Ihnen klar wird, was Ihnen zusteht und wie Sie das nicht aufs Spiel setzen.

2) Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Vermögensverhältnisse. Idealerweise sollten beide Personen schon während der aufrechten Ehe wissen, wieviel sie einnehmen, wieviel sie für das gemeinsame Leben ausgeben, welche Kreditfortzahlungen und welches Vermögen es gibt. Perl sagt: „Gerade Frauen wissen aber oft nicht einmal, wie hoch die gemeinsame Stromrechnung ist.“ Bevor das Wort Scheidung auch nur erwähnt wird, kopieren oder fotografieren Sie daher zum Beweis die wesentlichen Rechnungen und Dokumente. Wonach Sie genau suchen sollten, klären Sie im Erstgespräch mit dem Anwalt oder der Anwältin.

3) Sprechen Sie erst dann mit Ihrem Partner, wenn Sie diese Hausaufgaben gemacht haben. Die Expertin sagt, „Es klingt materialistisch – aber es ist die einzige Möglichkeit, sich vor Gericht abzusichern. Behauptet Ihr Ex-Partner nach während des Scheidungsverfahrens, er hätte z.B. keine weiteren Immobilien, müssen Sie deren Existenz beweisen können. Sonst schauen Sie durch die Finger.“

4) Spionieren nicht erlaubt – auch bei Untreueverdacht. Wirtschaftliche Dokumente, die frei zugänglich sind, einzuscannen ist Ihr Recht, denn beide Partner haben
einander gegenüber eine Rechnungslegungspflicht. Briefe zu öffnen oder in den Computer Ihres Partners einzubrechen, ist hingegen nicht erlaubt. Widerstehen Sie der Versuchung, Passwörter zu knacken, etwa, um Beweise für die Untreue zu finden, denn hier gilt das Recht auf Privatsphäre. Anders ist das, wenn Ihnen Ihr Partner bereits sein Passwort gegeben hat oder z.B. sein Handy ungesichert vor Ihnen liegen lässt.

5) Ziehen Sie nicht zu früh aus. „Das ist einer der Hauptfehler, die begangen werden“, schildert Perl. Ein Auszug kann als böswilliges Verlassen hingestellt werden, was im Rahmen einer schuldigen Scheidung als schwere Eheverfehlung gilt. „Zudem ist es taktisch unklug. Möchte man selbst die Ehewohnung oder vom Verkauf den Teil des Geldes, der einem zusteht, behalten, sollte man unbedingt weiter darin wohnen –

Veröffentlicht von GÄRNER I PERL

Die Anwälte Dr. Clemens Gärner und Mag. Susanna Perl-Böck sind die Spezialisten, wenn es zu Rechtsfragen im Bereich Trennung und Scheidung, Obsorge und Kindeswohl, Partnerschafts- und Eheverträge, Unterhalt und Vermögensaufteilung sowie Trennungs- und Scheidungsvorsorge kommt. Die bewährte Mann-Frau-Perspektive, die die Kanzlei Gärner und Perl-Böck auszeichnet, macht es zudem möglich fachliches Know-How mit notwendigem Fingerspitzengefühl zu kombinieren und so maßgeschneidert auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten eingehen zu können. Durch ihre Zusatzkompetenzen im Immobilien-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht sind Gärner und Perl-Böck bei Scheidungen im wirtschaftlichen Bereich ebenfalls die erste Adresse.