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Grey Divorce – Scheidungen im Alter liegen im Trend

Mag. Susanna Perl-Böck
Mag. Susanna Perl-Böck

In den USA liegen Scheidungen bei Baby Boomern im Trend. Aber auch bei uns steigt die Zahl derer, die im Alter von 50 Jahren oder mehr ein neues Leben anfangen wollen. Eine Scheidung im Alter ist aber gerade für Frauen ein hohes finanzielles Risiko, berichtet Anwältin Susanna Perl. Wer abwartet, verliert.

„Hellboy“-Star Ron Perlman (69) lässt sich nach fast vier Jahrzehnten Ehe von seiner Frau Opal Stone Perlman scheiden. Damit steht er durchaus nicht alleine da. Vom Tech-Milliardär Jeff Bezos bis zur Politikerin Sarah Palin – Grey Divorce, also die Scheidung ab dem Alter von 50 Jahren, liegt in den USA im Trend. Auch in Österreich nimmt die Zahl der spät Geschiedenen zu.

25 Jahre Ehe, das bedeutet für die einen, die silberne Hochzeit zu feiern. „Für einen wachsenden Anteil der Ehepartner ist es aber der Zeitpunkt, an dem sie die Scheidung einreichen“, schildert Scheidungsanwältin Susanna Perl, die gemeinsam mit Clemens Gärner die Familienrechtskanzlei Gärner-Perl führt, die rund 100 Scheidungsfälle pro Jahr betreut. „Wir bemerken auch bei unseren Fällen, dass es immer mehr langjährige Ehen gibt, die geschieden werden, und dass das Alter der Beteiligten steigt.“

Das zeigen auch die Zahlen der Statistik Austria. Während die Gesamtscheidungsrate in Österreich seit Jahren in etwa gleich bleibt (ca. 40 Prozent), ist sie bei langjährigen Ehen von 25 oder mehr Jahren deutlich angestiegen: Von 10,8 auf 14 Prozent in den vergangenen 10 Jahren. Das mittlere Scheidungsalter ist in den vergangenen 10 Jahren bei Männern von 42,3 auf 45,5 Jahren, bei Frauen von 39,8 auf 42,3 gestiegen.

Hohes Verarmungsrisiko
Im Alter den Mut zu fassen, neu anzufangen, liegt im Trend. Susanna Perl sagt, „Das ist zwar einerseits eine positive Entwicklung, weil es von einem höheren Selbstbewusstsein gerade auch bei älteren Frauen spricht. Aber es birgt auch ein hohes Verarmungsrisiko.

Sind einmal die Ehepartner in Pension, so reduziert sich auch schlagartig das gemeinsame Vermögen, das nunmehr auf zwei Haushalte aufgeteilt werden muss. Das trifft überproportional Frauen. Kein Wunder, dass eine US-Studie des National Center for Family & Marriage Research bestätigt, dass sich bei Amerikanerinnen ab 50 Jahren bei Scheidung der Lebensstandard um 45 Prozent reduziert. Das ist doppelt so viel wie bei jüngeren Paaren.

Zudem ist es gerade für Frauen ab 40, die oft nicht durchgehend gearbeitet haben, ungleich schwerer, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen um einen Einkommensverlust wieder auszugleichen. Doch die finanzielle Seite ist nur die eine: Studien zeigen, dass Scheidungen im Alter auch emotional schwerer zu überwinden sind.

Den idealen Zeitpunkt für Scheidungen gibt es nicht
Es gibt viele Gründe, weshalb zugewartet wird. Zum einen sind es oft gerade veränderte Lebensumstände wie etwa eine Pensionierung, die Menschen dazu bringen, auch ihre Ehe zu überdenken. Zum anderen warten Paare gerne ab, bis ihre Kinder älter oder andere wesentliche Sorgen bereinigt sind, wie etwa Kreditrückzahlungen.

Viele glauben, dass ältere oder erwachsene Kinder Scheidungen besser verkraften und man ihnen damit etwas Gutes tut. In Wirklichkeit haben sie aber genauso mit emotionalen Erschütterungen zu kämpfen, gerade, wenn sie wissen, dass die Ehe nur ihretwegen aufrechterhalten wurde.

Wir können nur dazu raten, mit Scheidungen nicht auf den idealen Moment zu warten, denn den gibt es nicht“, sagt Perl. „Die Chance auf einen erfolgreichen Neubeginn ist am höchsten, je früher man die Scheidung einleitet.

Veröffentlicht von GÄRNER I PERL

Die Anwälte Dr. Clemens Gärner und Mag. Susanna Perl-Böck sind die Spezialisten, wenn es zu Rechtsfragen im Bereich Trennung und Scheidung, Obsorge und Kindeswohl, Partnerschafts- und Eheverträge, Unterhalt und Vermögensaufteilung sowie Trennungs- und Scheidungsvorsorge kommt. Die bewährte Mann-Frau-Perspektive, die die Kanzlei Gärner und Perl-Böck auszeichnet, macht es zudem möglich fachliches Know-How mit notwendigem Fingerspitzengefühl zu kombinieren und so maßgeschneidert auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten eingehen zu können. Durch ihre Zusatzkompetenzen im Immobilien-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht sind Gärner und Perl-Böck bei Scheidungen im wirtschaftlichen Bereich ebenfalls die erste Adresse.