Allgemein, Familienrecht

(fratz&co 05/2019) Wieviel Sex „muss“ sein?

Sex kann eine Hauptkomponente für eine glückliche Ehe sein – oder der Grund, warum sie schiefgeht. Tatsächlich glauben viele, es gäbe eine „Pflicht zum Geschlechtsverkehr“. Doch so einfach ist das nicht, erklärt Expertin Susanna Perl von der Kanzlei Gärner Perl Rechtsanwälte.

Gerade frischgebackene Eltern kennen das: Ein Baby kommt ins Haus und für eine Weile flaut das Intimleben deutlich ab. Gelegentliche Höhen und Tiefen sind normal. Doch wenn ein Partner dauerhaft mehr Sex will als der andere, kann das auch zu rechtlichen Konsequenzen führen.

Warum mischt sich der Gesetzgeber in das Thema ein?
Vor Gericht wird das Thema meist erst im Zuge von Scheidungen wichtig. Nämlich dann, wenn Ehepartner einander betrogen haben und es damit begründen, dass ihnen daheim der Sex verweigert wurde. Doch Achtung: Zu wenig Sex rechtfertigt keine außereheliche Beziehung!

Habe ich ein Recht auf Sex in der Ehe?
Seit 1975 gibt es keine gesetzlich festgeschriebene „eheliche Pflicht“ zum Geschlechtsverkehr mehr – und das ist gut so. Beide Partner sind dazu verpflichtet, ihr Eheleben in gegenseitiger Rücksichtnahme zu gestalten. Dabei muss sich das Sexualleben nicht automatisch am aktiveren Partner orientieren. Aber: Die Verweigerung des ausreichend häufigen Verkehrs gilt als geeignet, die allmähliche Zerrüttung der Ehe herbeizuführen. Sie kann eine schwere Eheverfehlung darstellen, wenn kein triftiger Grund vorliegt. Eheverfehlungen wiederum beeinflussen bei einer schuldigen Scheidung die Höhe der Unterhaltszahlungen.

Was ist ein triftiger Verweigerungsgrund?
In der Vergangenheit haben Gerichte z.B. folgende Dinge anerkannt: körperliche Einschränkungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Alter, Schwäche sowie psychische Gründe wie Depressionen und Sorgen. Auch Eheverfehlungen und Kränkungen durch den Partner sind triftige Gründe. 1972 hat der OGH beispielsweise festgestellt, dass der Geschlechtsverkehr unzumutbar ist, wenn es der Ehegatte an „Reinlichkeit und an seiner entsprechenden Körperpflege fehlen lässt“. Sexuelle Funktionsstörungen sind als Verweigerungsgrund übrigens kein klarer Fall: Das Unbehandeltlassen der Störung kann einem als Verschulden angelastet werden.

Und wenn ich heute einfach keine Lust habe?
Die gelegentliche Ablehnung des Geschlechtsverkehrs ist keine Eheverfehlung!

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Veröffentlicht von GÄRNER I PERL

Die Anwälte Dr. Clemens Gärner und Mag. Susanna Perl-Böck sind die Spezialisten, wenn es zu Rechtsfragen im Bereich Trennung und Scheidung, Obsorge und Kindeswohl, Partnerschafts- und Eheverträge, Unterhalt und Vermögensaufteilung sowie Trennungs- und Scheidungsvorsorge kommt. Die bewährte Mann-Frau-Perspektive, die die Kanzlei Gärner und Perl-Böck auszeichnet, macht es zudem möglich fachliches Know-How mit notwendigem Fingerspitzengefühl zu kombinieren und so maßgeschneidert auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten eingehen zu können. Durch ihre Zusatzkompetenzen im Immobilien-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht sind Gärner und Perl-Böck bei Scheidungen im wirtschaftlichen Bereich ebenfalls die erste Adresse.