Familienrecht

Frau belügt Mann über seine Vaterschaft. Gibt es Kindesunterhalt zurück?

Susanna Perl-Boeck und Clemens Gaerner
Susanna Perl-Boeck und Clemens Gaerner

Am Anfang stand eine partnerschaftliche Umorientierung
Eine Frau befand sich in einer Lebensgemeinschaft. Ein Mann, ein alter Bekannter der Frau, wollte mit ihr jedoch eine Familie gründen. Da dies die Frau auch wollte, beendete sie daraufhin ihre Beziehung zu ihrem damaligen Lebensgefährten, blieb mit diesem jedoch noch in Kontakt. Danach hatte die Frau mit dem neuen Mann Sex.

Dann kam der Ex-Freund zurück
Einige Tage nach ihrer Zweisamkeit, bekam die Frau ihre Regelblutung. Eine Schwangerschaft des neuen Mannes konnte man somit ausschließen. Nur wenige Tage nach ihrer Regel, hatte die Frau einmalig Sex mit ihrem Ex-Lebensgefährten, was zu ihrer Schwangerschaft führte. Danach hatte die Frau mit ihrem Ex-Freund keinen Kontakt mehr.

Falsche Vaterschaft
Da die Frau jedoch mit ihrem neuen Freund und bald Ehemann eine Familie gründen wollte, ließ sie diesen wissen, dass er der Vater des Kindes sei. Dass das Kind nicht von ihm sein konnte, sondern von ihrem Ex-Freund war, verschwieg sie. Die beiden heirateten und zogen das Kind gemeinsam groß. Der Mann ging stets davon aus, dass er der Vater des Kindes sei. Schließlich hat ihm dies doch seine Frau explizit gesagt. Deshalb hinterfragte er diesbezüglich nichts.

Die Aufdeckung der Wahrheit
Die Ehe ging in weiterer Folge nach einigen Jahren in die Brüche. Der Mann erfuhr zu dieser Zeit, dass er doch nicht der Vater des mittlerweile 13-jährigen Kindes ist. Nun forderte der Mann von der Frau den von ihm bezahlten Kindesunterhalt in Höhe von EUR 35.000,– zurück. Schließlich habe diese ihn über die tatsächliche Vaterschaft belogen und in die Irre geführt.

Hätte der Mann hinsichtlich der Vaterschaft nachfragen müssen?
Die Frau entgegnete, dass der Mann seine Vaterschaft nie angezweifelt hat, obwohl er wusste, dass sie damals quasi noch in einer Beziehung war. Im Übrigen hat er sie auch nie gefragt, ob er tatsächlich der Vater des Kindes sei. Hätte also der Mann konkret nachfragen müssen?

Nein! Der Oberste Gerichtshof (7 Ob 185/18h) bejaht einen Schadenersatzanspruch
Die wesentliche Frage war, ob die Frau den Mann bewusst in die Irre geführt hat, ob er der Vater sei oder nicht. Wenn die Frau den Mann tatsächlich derart falsch informiert hat, obwohl sie wusste, dass dieser nicht der Vater ist bzw sein kann, steht diesem ein Schadenersatzanspruch gegen die Frau in Höhe des ausgelegten Unterhalts zu.

Wir unterstützen und beraten Sie gerne bei Fragen über Kindesunterhalt, Vaterschaft und über sonstige familienrechtliche Fragen.

Veröffentlicht von GÄRNER I PERL

Die Anwälte Dr. Clemens Gärner und Mag. Susanna Perl-Böck sind die Spezialisten, wenn es zu Rechtsfragen im Bereich Trennung und Scheidung, Obsorge und Kindeswohl, Partnerschafts- und Eheverträge, Unterhalt und Vermögensaufteilung sowie Trennungs- und Scheidungsvorsorge kommt. Die bewährte Mann-Frau-Perspektive, die die Kanzlei Gärner und Perl-Böck auszeichnet, macht es zudem möglich fachliches Know-How mit notwendigem Fingerspitzengefühl zu kombinieren und so maßgeschneidert auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten eingehen zu können. Durch ihre Zusatzkompetenzen im Immobilien-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht sind Gärner und Perl-Böck bei Scheidungen im wirtschaftlichen Bereich ebenfalls die erste Adresse.